12. dresdner schmalfilmtage | 20. bis 22. Januar 2011
in der Motorenhalle. Projektzentrum für zeitgenössische Kunst in Dresden

Pressemitteilung

Die rund 800 Besucher in der Motorenhalle kamen viel rum in der Welt bei den diesjährigen dresdner schmalfilmtagen. Bereits am ersten Abend reisten sie mit Musiklegende Fred Frith über Felder, in fremde Länder, genossen die Musik und die Eindrücke, die Nicolas Humbert und Werner Penzel mit ihrer Schmalfilmkamera einfingen. Ein Film mit der Kraft, sich im Anschluss gleich der eigenen Kreativität zu widmen. Und diese Chance bot sich dem Festivalpublikum umgehend während Fridrikssons Islandrundreise. So wunderte man sich doch, was man alles in 79 Minuten Bilderfolge einer Landschaft so zu denken beginnt. Wie groß mag Island eigentlich sein? Alle 12 Meter ein Bild, 24 Bilder pro Sekunde = 288 Meter pro Sekunde, 17280 Meter pro Minute, 1365120 Meter bei 79 Filmminuten = Island auf der Ringstraße umqueren, heißt nach eigener Rechnung 1365 km zu schaffen. Hat man das ausgerechnet, macht sich die Frage breit, sind es wirklich 24 Bilder die Sekunde oder doch 18 Bilder? Und dann die Auflösung: die Ringstraße auf Island ist 1336 km lang. Und alle die in der Motorenhalle waren, können sagen, sie haben diese Strecke geschafft: in 79 Minuten!

Den zweiten Festivaltag bestimmte die Reise in die portugiesische Schmalfilm-, Punk- und Kunstszene präsentiert von Produzent Rodrigo Areias. Während zeitgleich in Porto der grandiose Musiker "The Legendary Tigerman" im ausverkauften Colloseum spielte, sehen die Dresdner in der Motorenhalle die Schmalfilme, die seine Bühnenshow so einzigartig machen. Im Anschluss dann die heiß ersehnte zweite Auflage der Livevertonung. Ein Spektakel! Jens Vetter hat es unter dem Jubel des Publikums mit seinem Theremin geschafft, eine Blume und einen Wellensittich zu vertonen und damit die Jury, bestehend aus Regisseur Nicolas Humbert, Berliner Schmalfilmerin Dagie Brundert und Musiker André Alabaster überzeugt. Das Festival ist sich sicher, die dresdner schmalfilmtage ohne Livevertonung kann sich keiner mehr vorstellen. Doch auch die Reise ins Extreme wurde in diesem Jahr nicht gescheut. Mit Thorsten Fleisch kam sich der Zuschauer selbst sehr nah. Das mit dem eigenen Blut erzeugte Bild des Ausnahmekünstlers überraschte die Besucher.

Der Festivalsamstag wurde traditionell mit dem Kinderprogramm eröffnet und zeigte zahlreiche Helden aus Zeichen- und Puppentrickfilmen des DEFA-Studios, gefolgt von der Gewissensfrage Kodachrome oder ORWO-Color, die eine leidenschaftliche Debatte bei den anwesenden Experten erzeugte und das Publikum bannte. Im Anschluss dann die erneute Grenzüberschreitung hin zur italienischen Schmalfilmkunst mit der Zapruder Filmmakersgroup. Sie präsentierten eine Querschnitt ihrer Filme geprägt durch die italienische Kunst der Renaissance und des Surrealismus und mit Erinnerungen an die frühen Werke des David Lynchs.

Das Finale wurde am Samstag Abend erreicht. Es war wieder soweit für den internationalen Wettbewerb Super8/16. Das Festivalpublikum fieberte mit den Wettbewerbsteilnehmern. In diesem Jahr ein Programm so vielfältig wie nie. Die Jury mit der italienischen Filmemacherin Nadia Ranocchi, Jutta Wille von der AG-Kurzfilm, dem portugiesischen Produzenten Rodrigo Areias und dem deutschen Filmemacher Thorsten Fleisch verlieh den Jurypreis dem Film »Mittwoch Abend« von Thomas Reinelt, einem wundersamen Animationsfilm, der die Schrulligkeit seiner Darsteller im besten Licht präsentierte. Den Publikumspreis gewann der Film »For Plus-X« des Portugiesen Paulo Abreu. »LIFTN« von Constantin Hartenstein wurde vom begeisterten Publikum auf den zweiten Rang gewählt und erhielt von der Jury aufgrund seines präzisen Schnitts eine Lobende Erwähnung. Auf Platz drei der Publikumsgunst lag der Film »Natasha« von Anja Strelets.

Mit der Abschlussparty in der Motorenhalle endeten die 12. dresdner schmalfilmtage in der Nacht vom Samstag auf Sonntag und bewiesen sich wieder einmal als die erste deutsche Adresse für den internationalen Schmalfilm.

21. bis 23. Januar 2010
Motorenhalle - Projektzentrum für zeitgenössische Kunst


Das Festival für experimentelle Filmkunst, Heimkino, Trash und klassischen Independent-Film erlebt 2010 seine 11. Auflage. Mit dem Schwerpunkt auf Produktionen aus dem Super8/16 mm-Filmbereich sind die schmalfilmtage bereits seit einigen Jahren die erste deutsche Adresse für den internationalen Schmalfilm. Arbeiten von Filmemachern aus über 20 Nationen wurden in Dresden präsentiert. Namhafte europäische (Independent-)Filmemacher wie Lisl Ponger, Mathias Müller, Jan Peters, Matt Hulse, Johanna Vaude oder Helga Fanderl waren zu Gast.

http://schmalfilmtage.de

PROGRAMM:

Donnerstag 21.01.2010
19.30 Uhr Kindistan Eröffnungsperformance
21.00 Uhr Choreografierte Kamera
22.30 Uhr Yvonne Rainer - Inside Out. Choreografie für Film (1966-69)
Freitag 22.01.2010
19.30 Uhr L'ETNA (F)
21.00 Uhr Livevertonungswettbewerb
22.30 Uhr Wenzel Storch - Sommer der Liebe
Samstag 23.01.2010
15.00 Uhr Trickfilmprogramm - Heimfilmklassiker der DEFA
16.00 Uhr Eumig - eine Legende aus Österreich
18.00 Uhr Die Kinamo Story (I)
19.30 Uhr Die Kinamo Story (II)
21.00 Uhr Wettbewerb Super8/16 mit Preisverleihung
22.00 Uhr Kindistan II - Abschlussparty im friedrichstadtZentral

Freitag, 30. Januar 2009 – 21 Uhr

Jaap Pieters dokumentiert mit seiner Super8-Kamera das Leben auf den Strassen von Amsterdam. Die im Laufe der letzten 15 Jahre entstandenen Kurzfilme sind alle auf Super8 gedreht - und damit nicht länger als 3 Minuten - und die schönsten Alltagsdokumente auf Super8.

Der Blechdosenmann – war der erste Film, den ich von Jaap Pieters (auf dem Züricher Formel8 Festival) vor 10 Jahren gesehen habe. Im November 2001 war er zum ersten Mal Gast bei den Schmalfilmtagen. Dieses Jahr habe ich Jaap dann wieder getroffen und freue mich besonders, dass er kurzfristig auf seiner Heimreise am Freitag in Leipzig stopp macht und sein Filmprogramm präsentiert.

Mit im Programm: DER BLECHDOSENMANN (De Blikjesman, 1991)

Mit minimalsten Mitteln zeigt er die Unmenschlichkeit in der Gesellschaft und das auf eine wunderbar poetische, zugleich komische und skurrile Weise, ungeschnitten, kommentarlos, ohne Drehbuch oder eingeweihte Hauptfigur. Das Bild wackelt, die Farben sind blass. Drei Minuten Lebenszeit eines Menschen, der sonst unbeachtet bliebe. Diesem Mann müssen wir dabei zuschauen, wie er unermüdlich leere Getränkebüchsen von der Straße aufsammelt. Doch so, wie das Geld durch Hände rinnt, verliert der Mann immer wieder Dosen - seine Taschen sind voller Löcher. Sisyphosartig vollzieht er einen ewig gleichen Ablauf: Bücken, Dose in Mantel stecken, nach der Nächsten bücken.

Do 22.Januar bis Sa 24.Januar in Dresden Friedrichstadt

Das Festival für experimentelle Filmkunst, Heimkino, Trash und klassischen Independent-Film erlebt 2009 seine 10. Auflage. Schwer zu glauben, wenn man gedanklich noch einmal zu den Anfängen zurückkehrt.
„Totgesagte leben länger“ – unter diesem Motto konnten die schmalfilmtage bereits im ersten Jahr antreten, als die ersten Filmfestivals damit begannen, das Format Super8 (später auch den 16mm-Film) aus ihren Programmen zu verbannen. Die Zukunft schien schon damals ausschließlich mit dem „großen“ 35mm-Format oder den neuen digitalen Welten einherzugehen. 10 Jahre Festivalarbeit zeigen, dass das „kleine“ Format nach wie vor Akzente setzt und dass sich Affirmation für die besondere Haptik des Trägermaterials Film durchaus mit den Myriaden von Möglichkeiten elektronischer Bearbeitung verträgt. Und nicht selten sogar die überzeugenderen Ergebnisse zeitigt...

PROGRAMM - Festivalüberblick

Donnerstag 22.01.2009
19.00 Uhr Eröffnung
19.30 Uhr Best-of-Festival
21.00 Uhr Lisl Ponger (A) Passagen
22.30 Uhr Zuckerzeit (D)
Freitag 23.01.2009
19.30 Uhr Lutz Mommartz (D) Mommartzfilm
21.00 Uhr Hanna Nordholt und Fritz Steingrobe (D) Rekorder
22.30 Uhr Déjà vu (A) Found Footage Filme aus Österreich
Samstag 24.01.2009
17.00 Uhr Trickfilmprogramm - Heimfilmklassiker der DEFA
18.00 Uhr Heimkino - Perlen des Amateurfilms
19.30 Uhr Visuelle Variationen - 10 kurze 16mm Filme, ausgewählt von Ute Aurand, Berlin
21.00 Uhr Wettbewerb S8/16 mit Preisverleihung
22.30 Uhr Jogi Stolze & the Nonsense Corporation
00.00 Uhr Filmfestlounge und Openscreening