Arbeitsgemeinschaft „Deutscher Professorenkatalog“ beschließt Entwicklung eines umfassenden historischen Recherchesystems

An der Universität Leipzig tagte am 18. Januar die Arbeitsgemeinschaft „Deutscher Professorenkatalog“. Vertreten waren neben den Betreibern des Leipziger Professorenkatalogs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Geschwisterprojekten anderer deutscher Universitäten. Wichtigster Beschluss war die gemeinsame Beantragung eines zunächst auf drei Jahre angelegten Drittmittelprojekts zur Entwicklung eines gemeinsamen „Deutschen Professorenkatalogs“ von der Reformation bis zur Gegenwart. Kooperationspartner der Universität Leipzig sind dabei die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und die Universität Rostock sowie die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, die den Professorenkatalog der ehemaligen Universität Helmstedt einbringt. Ziel des Projekts ist die Zusammenführung der Daten der beteiligten Institutionen. Die Professorenkataloge der einzelnen Universitäten bleiben dabei erhalten und können vom gemeinsamen Recherchesystem aus aufgerufen werden.

Da akademische Karrierewege schon in der Vergangenheit meist über mehrere Stationen führten, wird der neue Gesamtkatalog vielfältige Impulse für die wissenschaftsgeschichtliche Forschung erbringen. So können Historiker in Zukunft Berufungswegen, historischen Bildungslandschaften oder der Entwicklung akademischer Disziplinen nachspüren. Darüber hinaus sollen die Daten mit weiteren biographischen Ressourcen im Internet verknüpft werden, etwa mit der Neuen Deutschen Biographie, den verschiedenen biographischen Regionalportalen sowie den bibliographischen Daten der Deutschen Nationalbibliothek. Diese Vernetzung wird zu einer erheblichen Vereinfachung der Recherche sowie dem Aufzeigen bislang nicht sichtbarer Zusammenhänge führen.

In Leipzig arbeitet seit 2006 ein Team aus Historikern des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte und Informatikern der Arbeitsgruppe „Agile Knowledgement Engineering and Semantic Web“ am Leipziger Professorenkatalog „Catalogus Professorum Lipsiensium“. Dieser erfasst alle Leipziger Professoren seit der Gründung der Universität im Jahr 1409 und dokumentiert ihren Werdegang und ihre wissenschaftlichen Leistungen.

Am Deutschen Professorenkatalog arbeitet initiativ auch das Team von Prof. Dr. Oliver Auge vom Lehrstuhl für Regionalgeschichte mit Schwerpunkt zur Geschichte Schleswig-Holsteins in Mittelalter und Früher Neuzeit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel mit. Dort entsteht zum 350-jährigen Jubiläum der Universitätsgründung im Jahre 2015 ein Onlinekatalog sämtlicher Professoren des Zeitraums 1919-1965. Auch die 1419 gegründete Universität Rostock nahm ihr anstehendes Jubiläum zum Anlass zur Entwicklung eines Katalogs ihrer sämtlichen Professoren (Catalogus Professorum Rostochiensium), der zum größten Teil bereits online ist. Die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel besitzt einen großen Teil der Überlieferung der ehemaligen Universität Helmstedt und bietet ein Internetportal mit Informationen zu Professoren, Lehrveranstaltungen, Studenten und Hochschulschriften der einstmals hochfrequentierten Universität an.

Der „Deutsche Professorenkatalog“ soll die zentrale prosopographische Plattform für die deutsche Hochschullandschaft der Neuzeit bilden.

Ansprechpartner sind

Homepages der Professorenkataloge:

Der Gesamtkatalog:

Humboldt-Universität zu Berlin, Hauptgebäude
14. September 2011 – 15. September 2011

Die Tagung .hist 2011 – Geschichte im digitalen Wandel wird veranstaltet von H-Soz-u-Kult und Clio-online gemeinsam mit L.I.S.A. - Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Im Rahmen der Werkstattberichte "Vernetztes Wissen / Semantic Web" werde ich aktuelle Forschungsarbeiten unserer Arbeitsgruppe vorstellen.

Abstrakt

Die Arbeitsgruppe Agile Knowledge Engineering and Semantic Web (AKSW) der Universität Leipzig befasst sich in ihrer Forschungsarbeit mit Methoden der agilen Wissensmodellierung und der semantischen Vernetzung von Informationen im Web. Aufbauend auf der Wikipedia-Extraktion DBpedia steht aktuell die Erweiterung der Linked Open Data Cloud im Fokus der Forschung (LOD2). Das von der Arbeitsgruppe entwickelte semantisches Daten-Wiki OntoWiki stellt ein Basiswerkzeug für die Publikation semantischer Information dar. OntoWiki wird bereits mehrfach für geschichtswissenschaftliche Projekte eingesetzt, so u.a. auch bei der kollaborativen Arbeit von Historikern der Arbeitsgruppe des Leipziger Professorenkatalogs. Anhand des Anwendungsbeispiels Catalogus Professorum Lipsiensis wird im Rahmen des Werkstattberichts das kollaboratives Entwickeln einer Ontologie, das kollaboratives Sammeln von Informationen und das Publizieren von Daten mit Hilfe von OntoWiki vorgestellt.

http://www2.hu-berlin.de/historisches-forschungsnetz/tagung/Abstracts/WerkstattI-Riechert-Agile_Knowledge.pdf

 

Programm am 14. September

13:00-13:30 Uhr Begrüßung und Eröffnung

13:30-14:30 Uhr Keynote

  • Stefan Münker (Humboldt-Universität zu Berlin): Jenseits der Technik. Zum Status quo des digitalen Wandels

15:00-16:45 Uhr

  • Sektion 1: Virtuelle Forschung und Geschichtswissenschaften 2.0
  • Werkstattberichte I: „Vernetztes Wissen / Semantic Web“

17:15-19:00 Uhr

  • Podiumsdiskussion I: "Geschichte und ihre digitale Fachinformation: Welche Infrastrukturen brauchen die Geschichtswissenschaften?"

ab 19:00 Uhr Abendempfang

Programm 15. September

09:00-10:45 Uhr

  • Sektion 2: Digitale Quellenkritik und Data Driven History
  • Werkstattberichte II: „Virtuelle Forschungsumgebungen“

11:15-13:00 Uhr

  • Sektion 3: Medialität und Narrativität
  • Werkstattberichte III: „Fachinformationen für die Geschichtswissenschaften“

14:00-15:45 Uhr

  • Sektion 4: Grenzverschiebungen zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit
  • Werkstattberichte IV: „Informations-Infrastrukturen für die Geschichtswissenschaften“

16:15-18:00 Uhr

  • Podiumsdiskussion II: " Geschichte und ihre digitale Medialisierung: Welche Medienkompetenz brauchen Historiker/innen?"

18:00 Uhr Ende der Veranstaltung

Auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse vom 17.-20.03.2011 wird der Sammelband “Catalogus Professorum Lispsiensis. Konzeption, technische Umsetzung und Anwendungen für Professorenkataloge im Semantic Web” im Rahmen wissenschaftlicher Publikationen der Universität Leipzig ausgestellt. Einer der Herausgeber, Thomas Riechert, wird am 20.03. in der Zeit von 10 bis 12 Uhr am Stand G201/H200 (Halle 3) präsent sein, um interessiertem Fachpublikum das Buch genauer vorzustellen.Terminvereinbarungen können vorab per E-Mail (riechert@informatik.uni-leipzig.de) oder per Telefon (0341 97 32323) getroffen werden.

ISWC Best Paper Award

Unser Artikel über den Professorenkatalog der Universtät Leipzig Knowledge Engineering for Historians on the Example of the Catalogus Professorum Lipsiensis wurde mit dem Best-Paper-Award ausgezeichnet.
Die Internationale Semantic Web Konferenz (ISWC) ist das bedeutendste internationale Forum, in dem die neuesten Forschungsergebnisse und technische Innovationen zu allen Aspekten des Semantic Web vorgestellt werden. Die Aktentanzraten in diesem Jahr wahren 20% im Research Track und 26% im In-Use Track.


Im Rahmen der Forschung am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte zur 600-Jahrfeier der Universität Leipzig wurden Informationen von über 1300 Leipziger Professoren gesammelt.

Für Historiker ist es nicht ohne weiteres möglich, Erkenntnisse elektronisch zu erfassen und auszuwerten, wenn die Technik nicht dafür eingerichtet ist. Aus dieser Situation heraus starteten die Arbeitsgruppe Agile Knowledge Engineering and Semantic Web (AKSW) am Institut für Informatik und der Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte am Historischen Seminar der Universität Leipzig im Jahr 2007 eine Kooperation.

Das Projekt nutzt die Technologien des Semantic Webs. Die verwendete Methodologie baut auf dem Wiki-Konzept auf.

Als zukunftsweisendes Knowledge-Engineering-Projekt wird der Leipziger Professorenkatalog auf der 9. International Semantic Web Conference mit einem Vortrag vorgestellt. Die weltweit bedeutendste Semantic-Web-Konferenz findet vom 7. bis 11. November in Shanghai statt. Thomas Riechert der Arbeitsgruppe AKSW wird in China dabei sein und den Katalog vorstellen.

Der alle fünf Jahre stattfindende "International Congress of Historical Sciences" wird 2010 im Amsterdam stattfinden. Das umfangreiche Programm beinhaltet auch eine "kleine Nebentagung" der "International Commission for the History of Universities" in Utrecht. Prof. Dr. Leen Dorsman vom interdisziplinären, wissenschaftsgeschichtlichen "Descartes Centre" der Universität Utrecht lädt am 23. August 2010 zu einem Kolloquium zum Thema "Discipline Formation and the Universities" ein. Christian Augustin wird am Beispiel des Leipziger Professorenkatalogs auf ausgewählte Aspekte der Entwicklung von wissenschaftlichen Disziplinen eingehen; selbstverständlich auch unter Einbeziehung der phantastischen Recherchemöglichkeiten des Leipziger Nachbarprojektes "Vorlesungsverzeichnisse als Quellen disziplinär organisierter Wissenschaft" von Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider.

Auf der Tagung "Digitale Wissenschaft 2010", Köln - 20./21. September, wird der Professorenkatalog in der Session D "Semantic Web" vorgestellt. Die Veranstaltung bringt IT-affine Geisteswissenschaftler und solche, die es werden wollen, mit Humanities-affinen Technikwissenschaftlern und solchen, die es werden wollen, zusammen. Christian Augustin und Ulf Morgenstern werden den Katalog in einem Lightening Talk vorstellen und Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Projekten ausloten. Das Programm...

Alle Professoreneinträge der Kataloges sind ab jetzt in einer ansprechenden Version druckbar. Bei jedem Eintrag findet sich dafür in der Zeile über der Kopfzeile mit dem Professorennamen bzw. ganz unten das Kürzel PDF. Einfach anklicken und eine PDF wird erzeugt. Am Ende steht je auch eine Zitierempfehlung für den Artikel.