Zu Lande, zu Wasser und in der Luft – 2016 schlagen die dresdner schmalfilmtage die Räder ab vom Wagen und halten Ausschau nach den Wanderungs- und Sammlungsbewegungen des 20. und 21. Jahrhunderts.
Was folgt 240 Jahre nach der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung auf den Weckruf GO WEST, dem Abermillionen Europäer folgten? Was auf Krieg, Arabellion und Festung Europa?

Das Festival begibt sich auf Spurensuche in Paris, Athen, Hamburg. Es beleuchtet Kriegszustände, Architektur, neue und alte Utopien des Raums und schaltet die haptischen Bilder mit der Idee von Liberté, Égalité, Fraternité kurz.

Anlässlich seines 100-jährigen Jubiläums zeigt das UT Connewitz die Faszination „Lichtspieltheater“ in Form einer Ausstellung. Thematische Bündelungen führen durch die Geschichte des UT Connewitz, von der Entwicklung der Kinotechnik bis zur Arbeit des Vereins. Kernstück bildet die Präsentation von Filmprojektoren des aus allen Epochen der letzten 100 Jahren, aus der Sammlung Kinematographen Liebhabers Otto Semmler.

Im Rahmen der Ausstellung bin ich vom 8. bis 10. September im UT anzutreffen und werde neben Erläuterungen zu den Projektoren gemeinsam mit den Besuchern kurze 35mm Filme einlegen und projizieren.

Weiter Informationen unter UT Connewitz e.V.

Veranstaltungstipp: Claus Löser: Subversion auf Super 8. Gegenbilder in der DDR
Mittwoch, 21. März, 20.00 Uhr

Im Rahmen des 100jährigen Bestehens des UT Connewitz in Leipzig

Internationale Avantgardefilmer kannte man in der DDR allenfalls vom Hörensagen. Dennoch bildete sich dort ab Mitte der siebziger Jahre eine Experimentalfilmszene, die abseits von DEFA und Fernsehen eine radikal subjektive Bildsprache entwickelte und damit Haltung gegen die Staatsdoktrin des sozialistischen Realismus bezog. Wer die Protagonisten dieses Schmalfilm-Untergrundes waren, unter welchen Bedingungen sie ihre Filme drehten und welchen Repressionen die KünstlerInnen ausgesetzt waren, wird der Schmalfilmaktivist und Filmhistoriker Claus Löser ausführlich beleuchten.

Für den Vortrag und das anschließende Kurzfilmprogramm öffnet er sein Filmarchiv, in dem all die geklebten, gekratzten, performten, surrealen und melancholischen Schätze liegen, die nicht beschlagnahmt oder zerstört wurden.

Claus Löser ist Kinobetreiber, Filmhistoriker und Filmemacher. 1996 gründete er das ex.oriente.lux-Filmarchiv. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen u.a. die Politisierung des Films, der Underground-Film und die unangepasste Kunstszene in der DDR.


12. dresdner schmalfilmtage | 20. bis 22. Januar 2011
in der Motorenhalle. Projektzentrum für zeitgenössische Kunst in Dresden

Pressemitteilung

Die rund 800 Besucher in der Motorenhalle kamen viel rum in der Welt bei den diesjährigen dresdner schmalfilmtagen. Bereits am ersten Abend reisten sie mit Musiklegende Fred Frith über Felder, in fremde Länder, genossen die Musik und die Eindrücke, die Nicolas Humbert und Werner Penzel mit ihrer Schmalfilmkamera einfingen. Ein Film mit der Kraft, sich im Anschluss gleich der eigenen Kreativität zu widmen. Und diese Chance bot sich dem Festivalpublikum umgehend während Fridrikssons Islandrundreise. So wunderte man sich doch, was man alles in 79 Minuten Bilderfolge einer Landschaft so zu denken beginnt. Wie groß mag Island eigentlich sein? Alle 12 Meter ein Bild, 24 Bilder pro Sekunde = 288 Meter pro Sekunde, 17280 Meter pro Minute, 1365120 Meter bei 79 Filmminuten = Island auf der Ringstraße umqueren, heißt nach eigener Rechnung 1365 km zu schaffen. Hat man das ausgerechnet, macht sich die Frage breit, sind es wirklich 24 Bilder die Sekunde oder doch 18 Bilder? Und dann die Auflösung: die Ringstraße auf Island ist 1336 km lang. Und alle die in der Motorenhalle waren, können sagen, sie haben diese Strecke geschafft: in 79 Minuten!

Den zweiten Festivaltag bestimmte die Reise in die portugiesische Schmalfilm-, Punk- und Kunstszene präsentiert von Produzent Rodrigo Areias. Während zeitgleich in Porto der grandiose Musiker "The Legendary Tigerman" im ausverkauften Colloseum spielte, sehen die Dresdner in der Motorenhalle die Schmalfilme, die seine Bühnenshow so einzigartig machen. Im Anschluss dann die heiß ersehnte zweite Auflage der Livevertonung. Ein Spektakel! Jens Vetter hat es unter dem Jubel des Publikums mit seinem Theremin geschafft, eine Blume und einen Wellensittich zu vertonen und damit die Jury, bestehend aus Regisseur Nicolas Humbert, Berliner Schmalfilmerin Dagie Brundert und Musiker André Alabaster überzeugt. Das Festival ist sich sicher, die dresdner schmalfilmtage ohne Livevertonung kann sich keiner mehr vorstellen. Doch auch die Reise ins Extreme wurde in diesem Jahr nicht gescheut. Mit Thorsten Fleisch kam sich der Zuschauer selbst sehr nah. Das mit dem eigenen Blut erzeugte Bild des Ausnahmekünstlers überraschte die Besucher.

Der Festivalsamstag wurde traditionell mit dem Kinderprogramm eröffnet und zeigte zahlreiche Helden aus Zeichen- und Puppentrickfilmen des DEFA-Studios, gefolgt von der Gewissensfrage Kodachrome oder ORWO-Color, die eine leidenschaftliche Debatte bei den anwesenden Experten erzeugte und das Publikum bannte. Im Anschluss dann die erneute Grenzüberschreitung hin zur italienischen Schmalfilmkunst mit der Zapruder Filmmakersgroup. Sie präsentierten eine Querschnitt ihrer Filme geprägt durch die italienische Kunst der Renaissance und des Surrealismus und mit Erinnerungen an die frühen Werke des David Lynchs.

Das Finale wurde am Samstag Abend erreicht. Es war wieder soweit für den internationalen Wettbewerb Super8/16. Das Festivalpublikum fieberte mit den Wettbewerbsteilnehmern. In diesem Jahr ein Programm so vielfältig wie nie. Die Jury mit der italienischen Filmemacherin Nadia Ranocchi, Jutta Wille von der AG-Kurzfilm, dem portugiesischen Produzenten Rodrigo Areias und dem deutschen Filmemacher Thorsten Fleisch verlieh den Jurypreis dem Film »Mittwoch Abend« von Thomas Reinelt, einem wundersamen Animationsfilm, der die Schrulligkeit seiner Darsteller im besten Licht präsentierte. Den Publikumspreis gewann der Film »For Plus-X« des Portugiesen Paulo Abreu. »LIFTN« von Constantin Hartenstein wurde vom begeisterten Publikum auf den zweiten Rang gewählt und erhielt von der Jury aufgrund seines präzisen Schnitts eine Lobende Erwähnung. Auf Platz drei der Publikumsgunst lag der Film »Natasha« von Anja Strelets.

Mit der Abschlussparty in der Motorenhalle endeten die 12. dresdner schmalfilmtage in der Nacht vom Samstag auf Sonntag und bewiesen sich wieder einmal als die erste deutsche Adresse für den internationalen Schmalfilm.